Chronik - Gartenparte Freundschaft

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Chronik

Historischer Rückblick auf die Gründung des Arbeiterturnvereins Mylau und seiner integrierten
Kleingartenanlage.



Seit dem 10. Lebensjahr (1922) wuchs ich mit dem Arbeiterturnverein „Freie Turnerschaft
Mylau“, der 1903 gegründet worden war, heran.
In den Jahren 1922 - 1924 wurde die Turnhalle aus eigenen Mitteln und durch eigene
Leistungen der Mitglieder erbaut.
Die Arbeiterturnhalle ist deshalb so wichtig, weil auf dem Grundstück ( ca. 1 ha) gleichzeitig eine
Kleingartenanlage (abgetrennt von der Turnhalle) 1913 mit 85 Parzellen entstand. Diese Anlage hat die geschichtliche Entwicklung miterlebt. Davon habe ich z. T. im Zusammenhang mit den Ereignissen 1932/33 schon berichtet.

Das folgende habe ich der Chronik der „Freien Turnerschaft“ Mylau/Vogtland (geschrieben von
Paul Fiedler im März 1972) entnommen:

Zeitraum 1903 - 1933
In der Monarchie, der Hohenzollern-Dynastie unter Kaiser Wilhelm II. Gab es in der
Arbeiterstadt Mylau zuerst nur zwei bürgerliche Turnvereine: Turnverein -J-P an der Rotschauer Straße
Politisch reaktionär eingestellt, zusammengesetzt aus Fabrikanten, Geschäftsleuten, Angestellten und Arbeitern. Letzere in der Arbeitersprache kurz als „Stehkragenproletarier“ bezeichnet - also Arbeiter, die mehr sein wollten, als sie in Wirklichkeit waren - nämlich gleichfalls Ausgebeutete,
die genauso - wie Karl Marx betonte-, wie jeder andere Arbeiter seine einzige Ware, seine
Arbeitskraft, an das Monopolkapital verkaufen mußte, um leben zu können,
aber gedrillt wurden auf Vaterlandstreue und blinden Kadavergehorsam, „Heil Kaiser Dir“ und
„Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt,“

das waren die „Schwarz-Weiß-Roten“ ( bis 1945)

Turnverein „Vorwärts“ an der Germania-Straße, der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße
Zusammengesetzt aus überwiegend Arbeiter und Angestellten,
politisch etwas gemäßigt, z. T. nach „links“ neigend, doch reichte es nur bis zur „Faust in der
Tasche“.

Im Laufe der Jahre lösten sich, vornehmlich vom „Vorwärts“ immer mehr Turner und machten sich selbständig.
Dazu gehörte Mut, ein fester Klassenstandpunkt, also ein hohes politisches Bewußtsein, denn
es ging um die Arbeitsstelle, um Brot und Lohn, wenn am 1. Mai mit der roten Nelke im Knopfloch aufmarschiert wurde, oder wenn ein „roter Turner“ offen seinen Standpunkt vertrat. Dann flatterte der „Blaue Brief“ ins Haus und sämtliche Betriebe in der Stadt blieben ihm verschlossen.

Die Arbeiterturner in der damaligen Zeit hatten jedoch keine feste Bleibe und glichen eher einem Wanderverein, d.h. der Anfang war schwer.
Ihre Turnstätten waren die Gaststätte „Germania“, „Bergschlößchen“, wieder „Germania“,
„Bayrischer Hof“ Netzschkau, die Kiesgrube an der Lambziger Straße, die kleine Turnhalle, früher Pöschel, zwischen Schützenplatz und Rotschauer Straße gelegen (1913 abgebrannt).

Die Gründung des Mylauer Arbeiter-Turnvereins erfolgte im Jahre 1903 von folgenden
Turngenossen: Ameis, Franz Dietel, Otto, Dietz, Paul Musterer, Christian, Weber, Arno.
Im Jahre 1913 fand auf dem jetzigen vorderen, alten Sportplatz an der Reichenbacher Straße
das 10jährige Stiftungsfest mit Fahnenweihe unter großer Beteiligung statt.
Doch erst nach der Novemberrevolution 1918 entwickelte sich in der Weimarer Republik auch in der Industriestadt Mylau der Arbeiterturnverein immer stärker.
1922 besuchten die Freien Turner von Mylau das Leipziger Arbeiter Turn- und Sportfest.

Nunmehr wurde zum Bau einer eigenen größeren Turnhalle geschritten und zwar auf dem Grundstück an der heutigen Karl-Liebknecht-Straße, das bereits 1912 vom Turngenossen Paul Baumgärtel gekauft und auf seinem Namen eingetragen war.
Der Bau begann im Jahre 1922 ohne staaatliche Mittel und wurde mittels Anteilscheinen finanziert, die Bauarbeiten erfolgten in Eigenleistung, denn sämtliche Bauberufe (Maurer, Zimmerer,Tischler, Klempner, Elektriker, Tiefbauarbeiter usw.) waren in der „Freien Turnerschaft“ vertreten.

Nach Feierabend, sonnabends und sonntags, auch feiertags, entfaltete sich auf dem Baugelände ein emsiges Treiben, ein beispielgebender Beweis echter Solidarität, die das Zusammengehörigkeitsgefühl in den Reihen der Freien Turner noch wesentlich verstärkte. Es war, kurz gesagt, eine einzige große Familie, auch die Frauen und die Jugendlichen packten tatkräftig mit zu.
In der bürgerlichen Presse, dem „Mylauer Tageblatt“, wo ich beschäftigt war, wurde höhnisch
unter „Eingesandt“ berichtet:
.......“ schaut an, auf der einen Seite kämpfen die Arbeiter für den 8-Stunden-Tag - und hier würgen sie bis in die sinkende Nacht hinein........“


Am Pfingstfeiertag 1924 erfolgte bei goldenem Sonnenschein in Anwesenheit von Tausenden Gästen, nicht nur Mylauer Einwohner aller Kreise, sondern auch von auswärtigen Brudervereinen, die Einweihung der neuen Halle der „Freien Turnerschaft“. Die Weiherede hielt der damalige stellvertretende Bürgermeister und späterer Landtags- und Reichstagsabgeordnete Genosse Erwin Hartsch.
Die Turnhalle und die Gartenanlage bildeten nunmehr die Einheit.
In den folgenden Jahren nahm die Arbeiter- Turn- und- Sportbewegung wie in der ganzen Republik, auch in Mylau eine stürmische Aufwärtsentwicklung. Jeden Tag herrschte Turn- und Sportbetrieb in der Halle und auf dem Platz. Es bestanden außerdem zwei Spielmannszüge (Erwachsene und Kinder) unter Leitung von Vater und Sohn, Turngenossen Paul und Kurt Roth und mehrere Fußballmannschaften.

Da es im Mylauer Stadtparlament von 1918/1919 bis 1933 ununterbrochen eine linke Mehrheit gab, sämtliche Abgeordneten und Funktionäre der SPD (zahlenmäßig die stärkste Partei) auch zugleich Mitglieder der „Freien Turnerschaft“ waren, war Mylau als die „rote Hochburg“ einschließlich der „roten Turnhalle“ weit über die Kreis- und Bezirksgrenzen hinaus bekannt. Nach jeder Wahl, ob Stadtv., Bezirkstags-, Landtags- oder Reichtagswahl, immer wehte 2 - 3
Wochen nach der Wahl von der Burg und von der Turnhalle die rote Fahne hoch im Wind.
Auch finanziell hatte sich der Turnverein gut entwickelt, er war vollständig schuldenfrei. Nicht eine einzige Rechnung war 1933 noch offen. Auf dem Konto bei der Mylauer Sparkasse standen außerdem rund 3.000 Mark und bei der Konsumgenossenschaft Reichenbach/V. war ein Guthaben von 5.000 Mark gebucht.


Nicht, wie die Nazis später im „Mylauer Tageblatt“ behaupteten, die „Fr. Tsch.“sei vollständig verschuldet gewesen. Es war die allerhöchste Zeit, daß der Faschismus kam, sonst hätte jedes Einzelne Mitglied für die Schulden haften müssen ........“
Von Jahr zu Jahr entwickelte sich die „Freie Turnerschaft“ positiv und war immer dominierend im Sport und in der Körperkultur allgemein, sowohl zahlenmäßig, als auch ideologisch richtungweisend. Die freien Turner waren nicht nur sportlich, sondern auch Politiker zugleich, denn fast sämtliche Mitglieder des Turnvereins waren politisch organisiert und zwar bis 1931 in der SPD. Nach der Bewilligung von Mitteln für Panzerkreuzerbau seitens der rechten SPD- Führung im Reichstag 1931 trennten sich weit über 90 % der Genossen von der SPD und traten der neugegründeten SAP (Sozialistische Arbeiterpartei) bei, die einen eigenen Schutzbund uniformierte und nun zahlenmäßig dominierte. Der einzig richtige Weg - in die KPD - örtlich allerdings zahlenmäßig schwach, wurde nicht beschritten.


Im Jahre 1928 fand in Mylau ein Alterstreffen unter Teilnahme Dresdner und Berliner Turner statt. Dadurch erhielt die Arbeiter- Turn- und Sportbewegung neuen Auftrieb.
Besucht wurden nicht nur Veranstaltungen auswärtiger Brudervereine, sondern auch die I.
Arbeiter-Olympiade in Nürnberg und die II. In Wien 1931. Die Mylauer konnten in den Wettkämpfen viele Siege für sich buchen.
Die letzte große politische Veranstaltung in der Turnhalle stand im Zeichen der 3 großen LLL = Lenin- Liebknecht- Luxemburg- Gedenkfeier, bei der sich die Halle als zu klein erwies, um die Besucher, nicht nur aus Arbeiterkreisen, fassen zu können.

Das letzte Schauturnen der freien Turner unter der Leitung von Turnwart Gen. Paul Merkel fand nach einem Umzug durch die Stadt unter Mitwirkung von zwei Spielmannszügen bei schönstem Sonnenschein im Spätsommer 1932 statt. Das war ein großes sportliches und zugleich politisches Ereignis mit Tausenden von Besuchern, sowohl von Mylau als auch von auswärts, denn der Name „Freie Turnerschaft“ hatte einen guten Klang weit über die Stadtgrenzen hinaus. Politisch deshalb, weil die Faschisten in dieser Zeit immer mehr zur Macht drängten.
Bitter war die Spaltung der Arbeiterklasse in drei Parteien:
SPD - KPD - SAP. Bedingt durch den sich verschärfenden Terror der Faschisten, fanden sich
die drei Parteileitungen endlich zu einer geschlossenen Front zusammen, im Herbst 1932 wurde in der Arbeiter-Turnhalle ein Aktions-Komitee gebildet. Obwohl jede Partei selbständig blieb, wurde nunmehr bei allen Demonstrationen und Kundgebungen (auch auswärts, Plauen) nicht mehr getrennt, sondern vereint aufmarschiert.


Ein kurz vor der Machtergreifung der Faschisten unternommener Angriff der Mylauer SA auf die Arbeiter-Turnhalle wurde vereitelt. In mehreren Schützenlinien (etwa 35 - 40 Mann stark) krochen die SA-Männer vom Schützenplatz aus im Gras über die Böschung aufwärts, in Richtung Turnplatz. Als sie die Wachsamkeit des proletarischen Kampfbundes bemerkten, zogen sie sich wieder zurück. (In dieser Zeit bestand die heutige Jugendherberge „Charlotte Rotholz“ noch nicht, deshalb freies bergisches Gelände).
Aber trotz aller Aktivitäten der Antifaschisten und Opferung vieler Freizeit, mitunter ganzer Nächte, war es zu spät, konnte der Faschismus nicht mehr aufgehalten werden. Durch die Zerrissenheit der Arbeiterklasse, durch die Spaltung in mehrere Parteien und Gewerkschaften, fanden die Faschisten im Reichsmaßstab einen günstigen Nährboden für ihre goldenen Versprechungen.
Im März 1933 betrug die Arbeitslosenzahl in ganz Deutschland über 6 Millionen ( in Mylau über
1100, die Zahl der Kurzarbeiter über 400). Immer lauter ertönte die Nazi-Parole: „Wählt uns,denn es ist so richtig! Dann gibt es Arbeit und Brot....“ „ An Eurem Elend sind die Kommunisten und Juden schuld....“.
Auch viele Bürger der Arbeiterstadt Mylau krochen auf den Leim und sahen politisch nicht weiter.
Und immer wieder mahnte Ernst Thälmann:
„Schließt Euch zusammen, bevor es zu spät ist. Denkt daran: wer Hitler wählt, wählt den Krieg!“ Doch strikt wurde von der rechten SPD-Führung die immer wieder dargereichte Bruderhand der KPD zu einheitlichem Handeln abgelehnt.

5. März 1933 - 8. Mai 1945: 12 Jahre Faschismus
Die letzte Reichstagswahl fand am 5.3.1933 statt. Im Wahlkampf hatte sich der Terror der faschistischen Schlägerbanden bereits Wochen vorher verschärft. Kein ihnen bekannter Antifaschist war mehr seines Lebens sicher. Die Überfälle häuften sich, sogar bei Tag, öfter noch bei Nacht, wenn die Referenten der Arbeiterparteien von auswärtigen Versammlungen sich auf dem Heimweg befanden. Jedem Referent, ob dem Gen. Willy Süss, Alfred Thom, Erwin Hartsch usw. Wurde Begleitschutz gewährt und außerdem noch ein Saalschutz für jede öffentliche Wahlversammlung eingerichtet.
Gemeinsame Aufmärsche fanden in Auerbach, Rodewisch, Johanngeorgenstadt und in Plauen statt.
14 Tage vor der letzten Reichstagswahl stand der proletarische Selbstschutz der drei
Arbeiterparteien in Alarmbereitschaft bei Tag und bei Nacht.
Bewacht wurde die Turnhalle, worin sich auch der Kampfstab befand (die Genossen Alfred Thom, Willy Süss, Otto Dick, Willy Dick, Otto Richter, Richard und Helmut Schorler (Vater und Sohn), Paul Fiedler usw., um nur einige zu nennen ) und in fast sämtlichen Lauben der Gartenanlage war der Kampfbund verteilt, bei Tag und Nacht, eingeteilt je nach der Arbeitszeit des Einzelnen, soweit er nicht arbeitslos war. Insgesamt rund 300 Antifaschisten.
Laufend wurden Patrouillen in die Stadt geschickt, um über Aktionen der Faschisten unterrichtet zu sein.
In der Wahlnacht, 5.3.1933, gegen Mitternacht, kam die Meldung aus Berlin durch: Die Faschisten hatten die Mehrheit an Stimmen erreicht.... Aus war es mit der Weimarer Republik (der Sozialismus marschiert)..... die Faschisten ergriffen die Macht mit unvorstellbarem Terror, auch im kleinsten Dorf.

Nicht direkt enttäuscht, aber voll Zorn und düsterer Ahnungen wurde der Alarm des proletarischen Kampfbundes aufgehoben, schweren Herzens ging es nach Hause und am anderen Morgen in die Betriebe zurück.
In der Nacht vom 9. Zum 10. März 1933 wurde Mylau von auswärtiger SA und SS besetzt, der größte Teil der Mylauer SA/SS war im oberen Vogtland eingesetzt. Der Markt und die Seitenstraßen waren taghell erleuchtet und von Tausenden Einwohnern gefüllt.
Haussuchungen, Verhaftungen und Überfälle auf friedliche Bürger und bekannte Antifaschisten setzten ein. Protestierende Bürger wurden auseinander getrieben. Hilferufe von Niedergeknüppelten wurden vernehmbar (darunter auch der Verfasser dieser Chronik) - der schwärzeste Tag für Mylau!

Am 11. März 1933 wurde die Arbeiter-Turnhalle von den Faschisten als „Schutzlager“ eingerichtet.. Bei Tag und bei Nacht erfolgten Einlieferungen und „Vernehmungen“ der verhafteten Antifaschisten, meistens durch den SA-Sturm.
Lagerkommandant war ein gewisser Petzold, der die schweren menschenunwürdigen Misshandlungen anordnete.10. 20, 25 und mehr Hiebe mit einem Gummiknüppel oder mit einer Peitsche, mitunter mehrmals am Tage, jedoch meistens in der Nacht auf den nackten Rücken oder Hintern. Dabei mußte sich der Häftling auf eine lange Tafel legen und den Blick auf ein Plakat über dem Stammtisch richten, dass noch vom Gaststättenbetrieb herrührte: „Hier wird nichts übel genommen!“

Dann wurde der nächste aus der „Blauen Maus“, dem kleinen Vereinszimmer geholt.Mit blutigem Rücken und beschädigten Nieren wurden die Mißhandelten mitunter erst nach Stunden zum Arzt geschickt. Die Schlagwerkzeuge sind im Mylauer Kreismuseum in der Burg ausgestellt, und zwar in der Abteilung „Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung".
Nach den Aufzeichnungen des Genossen Alfred Thom ( Dresden ) waren die schlimmsten Schläger des Mylauer SA-Sturmes die beiden Brüder Pfeifer.
Ein namentliches Verzeichnis der Häftlinge, also die Gesamtzahl ist nicht vorhanden, auch die Dauer der Haft ist nicht bekannt. Einzelne wurden nur vernommen, weitere tage- oder wochenlang ihrer Freiheit beraubt. (Aus dem KZ Zwickau entlassen, weil kein offizieller Haftbefehl vorlag, nur die Wunden etwas verheilen sollten, war ich nach meiner 2. Verhaftung in Mylau, veranlaßt vom eigenen Vater (!) gleichfalls zur Vernehmung im Schutzhaftlager Mylau). Im „Mylauer Tageblatt“ wurde berichtet, dass entgegen den Gerüchten in der Stadt einzelne Häftlinge, die bereits entlassen waren, an der Turnhalle wieder anklopften und um Wiederaufnahme baten, und zwar in Hinsicht auf die gute Verpflegung!
Die Auflösung des Schutzhaftlagers Mylau erfolgte Ende April 1933.
Die politisch „schwer belasteten“ Funktionäre wurden in Gerichtsgefängnisse in Konzentrationslager (meistens Schloß Osterstein in Zwickau oder Sachsenburg) übergeführt. Nach der Auflösung des Lagers wurde die Arbeiter-Turnhalle als „SA-Sporthalle“ zu militärischen Ausbildungszwecken benutzt, auf dem Turnplatz fanden lt. Bekanntmachung im
„Mylauer Tageblatt“ Handgranaten-Zielübungen statt. Später wurden Flugzeugteile in der Halle
gelagert. Nach Ausbruch des faschistischen Raubkrieges diente sie als Getreidespeicher, dann der Fa. Otto Naumann, Zimmereigeschäft, als Kistenfabrik und in den letzten Kriegsjahren als Gefangenenlager. Es waren meistens Franzosen, die in Mylauer Betrieben arbeiten mußten.

8 Mai 1945 - Aufbau und Ausklang
N i e v e r g e s s e n !
Nach der Befreiung vom Faschismus durch die ruhmreiche Sowjettruppen befand sich die Turnhalle in einem verheerenden Zustand. Nicht das geringste an notwendigen Werterhaltungsmaßnahmen war während der Naziherrschaft am Gebäude durchgeführt worden. Die Situation nach dem Zusammenbruch des Tausendjährigen Reiches war folgende: Keine Mittel (die Nazis hatten alles verpulvert), kein Material: Holz, Zement, Glas usw., und vor allem keine Arbeitskräfte ( entweder gefallen oder noch in Gefangenschaft. Es galt in erster Linie, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, die Betriebe in Gang zu bringen.
Bekannt ist aber auch, dass der damalige Betriebsleiter der Metallwarenfabrik, dem heutigen VEB Apparatebau, Baumgärtel, bereit war, die Arbeiter-Turnhalle baulich zu renovieren, da die zuletzt in der Halle untergebrachten französischen Kriegsgefangenen in diesem Rüstungsbetrieb beschäftigt waren.
Doch wurde nicht nachgestoßen.
Es wurde von staatlicher Seite nur versäumt, das Hauptgewicht beim Wiederanlaufen des turnerischen Lebens in Mylau überhaupt auf den früheren Arbeiter-Turnverein zu legen. Statt dessen entfaltete sich in den beiden, früher bürgerlichen Turnhallen, das neue turnerische Leben zuerst, während die Turnhalle der „Freien Turnerschaft“ brach lag und dem Verfall ausgeliefert war.
Erst der Initiative des damaligen 3. Bürgermeisters nach 1945 ( der 1. Bürgermeister war Gen. Willy Süss, der 2. Gen. Otto Dick) des Genossen Siegfried Wetzel, ist es zu verdanken, dass im Jahre 1951 die Turnhalle wenigstens im groben renoviert und ihrer Zweckbestimmung wieder zugeführt werden konnte. Die Zweite Einweihung der Arbeiter-Turnhalle erfolgte am Vortage der Eröffnung des Brückenfestes „100 Jahre Göltzschtalbrücke“ im September 1951.
Die Weiherede hielt im Auftrag des Rates der Stadt Mylau der Sachbearbeiter der Abteilung Volksbildung, Gen. Paul Fiedler. (Der Text der Weiherede befindet sich in der genannten Abteilung).
Die Feierstunde mit 200 Gästen stand unter der Losung, die längs oberhalb der Bühne angebracht war: „Die Opfer des faschistischen Terrors mahnen zum verstärkten Friedenskampf“.
Die frühere Arbeiter-Turnhalle erhielt in dieser Feierstunde nunmehr die Bezeichnung
„Volkssporthalle“ und wurde in städtische Regie genommen, die Gartenanlage „Freundschaft“ als selbständige Sparte wurde dem Kleingärtnerverband angeschlossen.

Doch insgesamt hat das turnerische Leben in Mylau mit drei Turnhallen bis heute nie wieder den Höchststand der Zeit vor 1933 erreicht.
Die Arbeiter-Turnhalle der „freien Turnerschaft“ beim antifaschistischen Widerstandskomitee in Berlin als „Schutzhaftlager der Faschisten“ registriert, wurde in den letzten Monaten renoviert und zum ehrenden Gedenken eine entsprechende Gedenktafel angebracht und zwar mit folgendem Wortlaut:
„Den aufrechten Genossen zum Gedenken, die hier 1933 von SA - SS mißhandelt wurden“ Niemals wird vergessen sein, dass die aus eigener Kraft, aus Arbeitergroschen geschaffene Turnhalle von den Faschisten geraubt und entwürdigt wurde dass auf dem Dach die Hakenkreuzfahne wehte niemals wird vergessen sein, dass die Kleingärtner in den ersten Tagen und Wochen des März 1933 ihre Gärten nur unter Bewachung der SA mit Gewehr und aufgepflanztem Bajonett betreten durften, um ihre Kaninchen zu füttern, aber vor allem wird niemals vergessen sein,dass die Faschisten in der Turnhalle der „Freien Turnerschaft“ aufrechte Mylauer Patrioten quälten und mißhandelten.
Wir denken hierbei, um nur einige Genossen und Erbauer der Halle zu nennen, an Otto Richter, Alfred Thom, Willy Süss, Moritz Beier, Otto Jahn, Max Schilbach, Franz und Herbert Wohlfarth (Vater und Sohn), Richard und Helmut Schorler (Gleichfalls Vater und Sohn) usw.

Heute erinnert an der Giebelseite der „Volkssporthalle“ nur die Umrandung des früheren Emblems des „Arbeiter- Turn- und- Sportbundes (es wurde 1934 von den Faschisten herausgemeißelt) aber links und rechts jedoch noch immer flankiert von der Jahreszahl 1924, daran,dass die in echter Solidarität, mit Arbeiterfleiß und -schweiß erbaute Turnhalle 12 schwere bittere Jahre lang von den Faschisten entweiht und für viele aufrechte Bürger und ehrliche, friedliebende Antifaschisten zu einer Stätte des Grauens, bar jeder Menschlichkeit, wurde. In dieser Halle soll bei frohem Spiel und Sport, zur weiteren Stärkung und Festigung unseres ersten Arbeiter- und Bauern-Staates, unserer sozialistischen Deutschen Demokratischen Republik, eine lebensfrohe, glückliche und gesunde Generation heranwachsen.
(Ende der Chronik)
1972 war ich im Konsum-Fleischwarenkombinat Reichenbach tätig. Zu jener Zeit faßten wir im Vorstand der Kleingartenanlage den Beschluß, im Jahre 1973 eine Festveranstaltung in der Turnhalle anläßlich 60 Jahre Kleingartenanlage durchzuführen.
Ich würde gar kein solches Gewese um diese Epoche machen, wenn nicht 55 Jahre meines bewegten Lebens ein Teil dieser Entwicklung wären.
Mein Wirken in der Gartensparte trat erst in Erscheinung, nachdem ich aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war.
Am 6 Mai 1948 fand die Neugründung der Gartenanlage statt. Doch zurück zu 1972/1973:
Tausend kleine und größere Dinge harrten der aktiven Mitarbeit aller Vereinsmitglieder bei der Vorbereitung dieser festlichen Veranstaltung.

Dazu kam unser unvorhergesehenes schweres Dilemma im Jahre 1973.
Doch zu jener Zeit der Vorbereitung und Durchführung unseres Vorhabens lief alles noch in geordneten Bahnen. Noch 1972 begannen wir mit den Vorbereitungen. Jedes Mitglied, soweit es dazu in der Lage war, bekam eine Aufgabe in der Vorbereitung. Mein Bruder Fritz z. B.erklärte sich für die Gardinenbeschaffung für die Fenster der Turnhalle bereit.
Ich übernahm die Verantwortung für die gesamte Versorgung mit Getränken, Wurst und Fisch usw. Auch für die Erstellung der Einladung erklärte ich mich bereit.
Herbert Wohlfart






































































































 
 
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